Auf Grund eines wieder entdeckten Fotos von 1994, auf dem unsere Mitglieder des SMC den Seenotrettungs-Kreutzer „Berlin“ in Laboe besichtigt haben, kam mir die Idee in diesem Jahr, nach 32 Jahren, erneut einen Ausflug dorthin zu machen.
Waren anfangs noch 10 Mitglieder begeistert von dem Vorschlag, waren wir am Ende leider nur noch 4 Mitglieder, was etwas enttäuschend war.
Trotzdem machten wir uns, am Freitag den 10. April, auf den Weg und kamen bei leicht bewölktem Himmel gegen 9:30 Uhr am Hafen von Laboe an. Der Seenot-Rettungskreuzer machte gerade am Pier fest. Schon von außen machte das Schiff einen imposanten Eindruck. Da ich uns vorab bei der DGzRS angemeldet hatte, bekamen wir die Möglichkeit auf das Schiff zu gehen und dort wurde uns von den freundlichen Besatzungsmitgliedern einiges über die DGzRS mitgeteilt.
Die Organisation finanziert sich nur durch Spenden. Neben der Hauptberuflichen Stammcrew (3 Personen bei der „Berlin“), die sich 2 Wochen/ 24 Stunden an Bord aufhalten und sich dann mit einer weiteren Crew im Rhythmus abwechseln. Man lebt zusammen wie in einer kleinen Wohngemeinschaft.
Neben der hauptberuflichen Crew gibt es auch viele Freiwillige die in ihrer Freizeit die Stammmannschaft unterstützen. Dafür bekommen dies eine ausführliche Ausbildung in verschiedenen Lehrgängen. Insgesamt ist das Schiff mit dem neusten und besten Equipment ausgerüstet.
Angefangen haben wir bei dem Beiboot „Steppke“, wo uns die technischen Abläufe erklärt wurden, wie es mit dem Aussetzten des Beibootes und Bergen von Personen funktioniert. Interessanter Weise lässt sich Dach, von dem Beiboot, herunterklappen damit vom Mutterschiff aus, ein größeres Boot abgeschleppt werden kann.
Danach ging es zum Bug dort wurde uns die technischen Geräte an den Aufbauten erläutert, Wärmebild Kamera, Radar, gigantische LED Suchscheinwerfer. Löschmonitore, usw.
Die „Berlin“ wurde nach 10 Jahren, gerade frisch modernisiert und hat jetzt sogar einen integrierten Bugscheinwerfer.
Danach durften wir uns die oben liegende Brücke mit dem Fahrstand ansehen. (Joysticksteuerung und überall digitale Bildschirme). Dieser ist inzwischen geschlossen bei früheren Booten war dieser noch ohne Dach. Im Deck darunter befindet sich der Aufenthaltsraum, die Kombüse und die Krankenstation. Alles ist sehr sauber und aufgeräumt. Alles hat seinen festen Platz. Darunter befindet sich, im vorderen Bereich des Rumpfes, die Kabinen der Mannschaftsmitglieder, jeder hat sein Eigene.
Danach durften wir über eine steile Leiter hinunter in den Maschinenraum steigen, der sich im hinteren Rumpfbereich befindet. Auch hier alles super sauber und alles hat einen festen Platz. Das Boot wird von 2 kräftigen Motoren angetrieben und jede Ecke im Maschinenraum ist ausgenutzt. Neben den beiden großen Motoren, gibt es noch Hydraulikanlagen, große Wasserpumpen für die Löschmonitore, die wegen Korrosion, auf einer Kunststoffplatte im Rumpf montiert sind durch die man sogar die Reflektion der Sonne sehen konnte. Eine kleine Werkbank gibt es auch noch. Im Normalfall wird alles von oben aus der Brücke ferngesteuert.
Das Ganze war sehr informativ und alle unsere Fragen wurden ausführlich beantwortet.
Nach knapp 90 Minuten gingen wir dann hinüber zum Informationszentrum der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS). Dort waren einige schöne Modell von Seenotrettungskreuzern ausgestellt und 2 nette Herren erläuterten uns die Geschichte der DGzRS, die dieses Jahr ihr 160. Bestehen feiert.
Zum Schluss schauten wir uns noch ein Film über die Arbeit der Seenotretter an. Wirklich beeindruckende Bilder, wenn die Boote durch aufgewühlte See fahren. Ganz nach dem Motto „Wir fahren raus, wenn alle anderen reinkommen“ Die Schiffe sind nach den neusten Erkenntnissen der Schifffahrt gebaut und sogar Selbstaufrichtend. Trotzdem Hut ab vor der Leistung dieser Menschen die ihr eigenes Leben riskieren um anderen in Seenot zu helfen.
Wie im Vorfelde angekündigt überreichten wir dann im Namen des SMC Albatros eine Geldspende im von 100€ an die DGzRS.
Als kleines Danke-Schön erhielten wir dann noch Schlüsselanhänger und Kugelschreiber.
Inzwischen war die Sone herausgekommen und so spazierten wir die Uferpromenade entlang und gingen gemeinsam Fisch essen.
Danach gingen wir zum Marine Ehrenmal welches dort seit 1936 steht und an die Erinnerung an die auf See geblieben bewahrt. Zu erst gingen wir in den Turm wo in den unteren Etagen eine Ausstellung über den Bau des Ehrenmals und die Kriege zu sehen ist. Danach machten wir uns an die sportliche Herausforderung und erklommen die 341 Stufen bis zur oberen Aussichtsplattform (72m), von der man die ganze Kieler Förde überblicken kann. Ein paar Schiffe kamen auch vorbei. Anschließend schauten wir uns die unterirdische Ruhmeshalle an, wo an die verstorbene aller Nationen gedacht wird. In der historischen Halle werden einige Schiffsmodelle präsentiert und die Geschichte einzelner Menschen im Kriegsgeschehen erläutert. In einem Nebenraum wird an die schlimmste Schiffskatastrophe der Menschheit erinnert als die Wilhelm Gustloff am Ende des 2. Weltkrieges mit Flüchtlingen an Bord torpediert und versenkt wurde. Wobei über 9000 Menschen zu Tode kamen.
Zum Abschuss besichtigten wir noch das U-Boot U 995 welches 1943 gebaut wurde und nach dem Kriegsende noch 10 Jahre von der norwegischen Marine genutzt wurde. Seit 1972 liegt sie als Museum am Strand, gegenüber vom Ehrenmal. Beim Gang durch das enge U-Boot kann man sich kaum vorstellen, wie in dieser beengten Metallröhre 50 Personen ihren Dienst versehen haben. Gearbeitet wurde immer in 4 Stunden Schichten und 2 Mann mußten sich eine schmale Pritsche teilen. Dabei waren die Pritschen übereinander parallel zum Mittelgang angeordnet, wo ständig Aktivitäten waren. Außerdem gab es nur 2 Toiletten. Im vorderen Bereich gab es 4 Torpedorohre und im Heck eins. Das U-Boot wurde bei Überwasserfahrt von 2 Dieselmotoren (17kn) angetrieben und bei Unterwasserfahrt von 2 Elektromotoren (7,6kn). Das Boot ist durch 5 Schotten unterteilt, durch die man sich durch enge Luken hindurchschlängeln muß. In der Schiffsmitte ist der Horchraum, wo man versuchte anhand von Geräuschen feindliche Schiffe zu orten. Sonar gab es damals noch nicht. Dort befindet sich auch das Periskop und der einzige Ein- und Ausstieg. Die beiden Türen durch die man heutzutage das Schiff betritt bzw. verlässt, gab es damals natürlich nicht.
Für mich ist es unglaublich wie man unter diesen beengten Verhältnissen seinen Dienst, wochen- oder monatelang, versehen konnte.
Hinzukam das von den 40.000 U-Bootfahren nur 10.000 lebend zurückkamen.
Auf dem Rückweg zum Auto gönnten wir uns noch ein Eis in der Sonne. Es war ein sehr schöner Ausflug und alle die nicht mit dabei waren haben definitiv etwas verpasst.
Jörg Klug
1. Vorsitzender SMC Albatros Ellerau e.V.






